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Foto © Christian Rothe 2021

Projekt

Ourhaus - kooperatives Wohnprojekt im Leipziger Westen

 

Auftraggebende

OurHaus eG

Architekturpreis der Stadt Leipzig 2021

Sächsischer Staatspreis für Baukultur 2022 | Anerkennung

DAM Preis 2023 | Nominiert

Heinze Architektur Award 2022 | Shortlist

Der Ende 2020 fertiggestellte Neubau in Holz-Hybrid-Bauweise wurde für eine Baugemeinschaft gebaut, die solidarisch, selbstorganisiert und engagiert zusammenlebt und sich als Akteurin des gemeinschaftlichen Bauens und Wohnens in die Leipziger Stadtgesellschaft einbringt. Nach Anhandgabe eines kommunalen Grundstücks am Lindenauer Hafen im Rahmen eines Architekturwettbewerbs der Stadt Leipzig im Jahre 2016 wurden die Zielvorstellungen des Zusammenlebens der Gemeinschaft über einen partizipativen, eng an den zukünftigen NutzerInnen orientierten Planungs- und Bauprozess in eine zeitgenössische, offene Architektur im urbanen Raum übersetzt. Als Wohn-, Arbeits- und Lebensort für fast fünfzig Menschen unterschiedlicher Herkunft und Lebensalter bietet das Haus nun Platz für eine selbstbestimmte und in demokratischen Prozessen organisierte Gemeinschaft.

 

Träger der Idee vom gemeinschaftlichen Wohnen ist eine eigens für das Projekt gegründete Genossenschaft, welche das kollektive Eigentum am Haus und Grundstück hält. Das Projekt bleibt durch die gemeinwohlorientierte und renditefreie Kostenmiete langfristig für die BewohnerInnen bezahlbar und vor der Immobilienspekulation gesichert. Es bietet zudem eine hohe Flexibilität für die mietenden Genossenschaftsmitglieder und ermöglicht unterschiedliche gemeinschaftlich genutzte Räume und Bereiche. So findet die bewährte Idee der Wohngenossenschaft mit dem Haus einen adäquaten, in die Gegenwart hin aktualisierten, Ausdruck.

 

Ein zentrales Anliegen des architektonischen Entwurfs ist die enge Verschränkung der privaten Wohneinheiten mit den gemeinschaftlich genutzten Räumen und Flächen, sowie dem Quartier. Das Erdgeschoss stellt die Verbindung zwischen Garten, Hausgemeinschaft und Stadt her. Das Gebäude öffnet sich über die großzügige, einladende Verglasung des zweigeschossigen Entrees zum Stadtraum und ermöglicht den direkten Durchblick in den rückwärtigen Garten. Auf kurzem Weg wird von hier aus der im Erdgeschoss platzierte große Gemeinschaftsraum mit Gartenterrasse erreicht, welcher sowohl internen Nutzungen wie Plena, sportlichen Aktivitäten oder Festen als auch externen Nutzungen wie Workshops oder Seminaren zur Verfügung steht. 

 

Das Gebäude hat fünf oberirdische Wohngeschosse und ein Kellergeschoss mit Tiefgarage. Der mit freundlicher Atmosphäre gestaltete und von Süden her belichtete Treppenraum stellt zusammen mit dem Gemeinschaftsraum im Erdgeschoss den zentralen und alltäglichen Begegnungsort der BewohnerInnen dar. Darüber hinaus findet das gemeinschaftliche Leben auch auf den durchlaufenden, vom Treppenraum her betretbaren Balkonen, im Garten, im Musikraum, in der Werkstatt, der Sauna, im Waschraum sowie in den vier funktionsvariablen Jokerräumen in den Obergeschossen statt. Der Anteil der gemeinschaftlich nutzbaren Räume ist mit ca. 13% der vermietbaren Fläche auch für eine Wohnungsgenossenschaft außerordentlich hoch.

 

Alle dreizehn Wohnungen sind individuell organisiert und bieten den BewohnerInnen lichtdurchflutete z.T. zweigeschossige Familienbereiche (Wohn-Ess-Bereiche) mit hoher räumlicher Qualität, sowie eine Vielzahl zu Gunsten der Gemeinschafts- und Familienbereiche minimierter Individualräume. Die realisierten Wohnungen lassen sich in drei Wohnungstypologien unterteilen: Split-Level-, Geschoss- und Maisonettewohnungen. Die Wohnungsgrößen von 45 m2 bis 125 m2 bieten sowohl Single-, Paar- als auch Familienhaushalten ein Zuhause. Die optional und temporär anmietbaren Jokerräume ermöglichen der BewohnerInnenschaft, neben der Beherbergung von Gästen, bei Bedarf flexibel von zu Hause aus arbeiten zu können.

 

Der Standard für die Ausbauten und Oberflächen der Innenräume ist einfach und kostengünstig. Der komplette Innenausbau wurde unter Einsparung der Gewerke Putz- und Mauerarbeiten in Trockenbauweise realisiert. Die Wand- und Fußbodenoberflächen der Wohnungen und Gemeinschaftsräume wurden von den BewohnerInnen in Eigenleistung selbst ausgeführt. Die gebäudetechnische Installation wurde minimiert, um die Kosten während der Nutzungsphase zu optimieren. Im Sinne der Gebrauchstauglichkeit und Robustheit der Architektur über eine lange Nutzungsdauer kamen vor allem langlebige und dauerhafte Materialien zum Einsatz. Die gestalterische Detailentwicklung ist durch eine pragmatische, aber qualitätsvolle Einfachheit geprägt.

 

Das Gebäude ist ressourcensparend und flächenoptimiert als Holz-Hybrid-Bau errichtet. Es besteht aus einer Tragkonstruktion in Stahlbeton-Skelett-Bauweise und vorgefertigten Holztafelelementen, die in Kombination mit den Holz-Aluminium-Fenstern und dem mineralisch gedämmten WDVS mit Glattputz einen hohen energetischen Standard (KfW 55) hinsichtlich des winterlichen als auch sommerlichen Wärmeschutzes garantieren.

 

Das Energiekonzept beinhaltet neben der Nutzung von Fernwärme für die Fußbodenflächenheizungen die Nutzung von solarer Energie zur lokalen Stromerzeugung auf dem Flachdach. Die Errichtung der Photovoltaik-Anlage erfolgte in Kooperation mit der Energiegenossenschaft Leipzig und dient als Basis für einen geplanten, gemeinschaftlich genutzten Fuhrpark an Elektrofahrzeugen.

 

Der größte Teil der baurechtlich vorgeschriebenen KFZ-Stellplätze in der Tiefgarage wird als komfortabler Abstellort für die mehr als fünfzig Fahrräder der Hausgemeinschaft genutzt, da nur noch eine Minderheit der BewohnerInnen ein eigenes KFZ besitzt. Damit hat die Verkehrswende bei der Mobilität der Hausgemeinschaft schon Einzug gehalten.

 

Das Projekt hat den Anspruch im Sinne einer umfassenderen Nachhaltigkeit, die soziale, ökologische und ökonomische Aspekte berücksichtigt, eine bessere aber auch realistische Alternative zu den angebotenen Wohnkonzepten der renditeorientierten Akteure des Immobilienmarktes zu schaffen und einen Ausblick auf eine durch die BewohnerInnen initiierte und fokussierte Stadtentwicklung zu geben. Damit nimmt es insbesondere mit Blick auf den Neubaubereich des sächsischen Wohnungsmarktes eine Vorreiterrolle ein. Mangels geeigneter staatlicher Förderprogramme wurde das Projekt ohne Förderzuschüsse im Wesentlichen über Einlagen und Mittel der Genossenschaftsmitglieder sowie Fremdmittel von Banken frei finanziert.

 

Gebäude- und Projektkennwerte

 

Grundstücksgröße: 1.330 m²

Bruttogrundfläche: 2.328 m²

Vermietbare Fläche: 1.365 m²

Wohnfläche: 1.182 m² (13 Wohnungen)

Gemeinschaftliche Nutzungen: 183 m2 (Gemeinschaftsraum, 4 Jokerräume, Musikraum, Werkstatt, Waschmaschinenraum, 2 Gemeinschaftsbalkone, Sauna (geplant))